Das war’s…

25. Februar 2009

3 Dinge woran merkt man, dass man wieder zu Hause ist:

1. Das Mittagessen wird einem nicht mehr an den Tisch gebracht
2. Fremdbestimmung des Fernsehprogramms
3. Ich bekomme keine Massagen mehr, sondern darf wieder welche geben

Die letzte Woche verging wie im Flug, was wahrscheinlich daran lag, dass die Zeit nach den Behandlungen mit Buch lesen, Kaffee trinken, Rommé spielen und “Tee trinken” im Bistro verbracht wurde. Das letzte Mal im Bistro fiel das ausgerechnet auf den Rosenmontag, was sich faschingsgemäß in erhöhten “Teekonsum” spüren ließ. Gängiger Spruch der regelmäßigen Kurteilnehmer war dann “4 Wochen Kur, 2 Wochen Entzug”. Die Entzugsklinik ist ja gleich nebenan.

Um herauszubekommen, inwiefern die Kur hilfreich war, erstellt man einAbschlussgutachten, wo all die Dinge noch mal vermessen werden, die bereits bei der Eingangsuntersuchung erfasst wurden. Jetzt wo ich darüber nachdenke, wurde das Lungenvolumen nicht noch mal erfasst. Ich weiß aber nicht, wieviel das Lungenvolumen über die körperliche Verfassung aussagt. Beim Gespräch mit einem anderen Patient kam mir zu Ohren, dass er nur 40% des statistisch normal gesehenen Lungenvolumens hatte, obwohl er 2 mal die Woche mindestens 10km joggt. Wer weiß.

Das Abschlussgutachten durfte dann am Freitag mein Physiotherapeut erstellen. Insgesamt kann man sagen, dass sich überall Verbesserungen eingestellt haben. Der Kopf lässt sich wenigstens um 5° auf jeder Seite mehr drehen und neigen. Die anderen Werte fallen mir jetzt nicht mehr ein, aber der Therapeut war sehr zufrieden. Jetzt heißt es, regelmäßig Sport zu treiben. Im meinem Fall vorzugsweise Schwimmen und Nordic Walking.

Meine Bilanz: Mir geht es wesentlich besser. Ich fühle mich etwas stabiler. Ich hatte Zeit mich auszuruhen. Das nötige Maß an Ausgeglichenheit wurde allerdings durch den Konsum von Büchern mit hohem Leichenanteil wieder zunichte gemacht. Dafür waren die Bücher einfach nur genial. Ich kann ohne Bedenken folgende Bücher empfehlen: “Die Blutlinie” und “Der Todeskünstler” von Cody McFadyen und “Stirb ewig” von Peter James.

Das war jetzt erstmal der letzte Eintrag, so bis auf Weiteres.


Tabu…

16. Februar 2009

Sonntag Abend: Nix zu tun, außer sich Wein hinter die Binde zu kippen und mit den Leuten, die beim Essen mit am Tisch sitzen, eine Runde TABU spielen. Bei TABU hat man als Team unwahrscheinlichen Vorteil, wenn man die Leute kennt und die Dinge aus einem gemeinsamen Wissensstand erklärt. Dann braucht man nicht ewig um den heißen Brei reden. Ich ziehe eine Karte und der zu erratende Begriff ist “Sektkübel”.

Ich: “Teil in das Micha sein Ding gesteckt hat, als er mal Viagra probiert hat und alles wehtat.”
Rogate: “Eiskübel”.
Ich: “Fast. Der zweite Teil ist richtig. Erster Teil ist ein Getränk das blubbert und das man da reinstellen kann.”
Monika: “Sektkübel!”
Ich: “Richtig!”

Soviel zum Thema gemeinsames Wissen. Seit Dienstag haben wir einen neuen Bechti am Tisch. Michael aus Warnemünde. Strandkorbbesitzer am FKK-Strand, Freizeit-DJ und wandelndes Witzelexikon. An sich immer zu Zoten aufgelegt, außer am Freitag. Freitag war “Fest des Hauses”, der ultimative Test, ob Leute wirkliche ihre Krücken, Rollies oder sonstige Gehhilfen brauchen. Kaltes und warmes Buffet, garniert mit musikalischer Untermalung vom stadtbekannten DJ Blutgrätsche, der es sich nicht nehmen ließ sämtliche Schlagerrelikte aufzulegen, was Michas DJ-Herz bluten ließ. Es macht dann richtig Spaß zuzusehen, wie Leute die am Vortag an Knieschmerzen litten, plötzlich beim Sirtaki durch die Gegend hüpfen können. Der nächste Test ist das Buffet.  Bei der Eingangsuntersuchung muss man auf dem Fragebogen ankreuzen, ob man Probleme hat länger als 10 Minuten am Stück zu stehen. Wer schon mal einen All-Inclusive Urlaub gemacht hat, weiß, dass man beim Mittagsbuffet am Swimming-Pool mindestens 10 Minuten verbringt um sein Essen einzusammeln, wenn man sich denn hinten anstellt und wirklich alles in Augenschein nimmt. Das “Fest des Hauses” findet aller 3 Wochen statt, so dass man mindestens einmal während seiner Kur in den Genuss dieser Feierlichkeit kommt. Dementsprechend hat das Servicepersonal auch ausreichend Übung darin, das Ganze logistisch so zu optimieren, dass man das Buffet von 2 Seiten beackern kann und die Anstehzeit minimiert. Ich habe mir dann richtig Freunde gemacht, indem ich ein halbe Stunde zu spät kam, weil das Buch (Cody McFadyen: Die Blutlinie) spannender war als die Ansprache der Klinikleiterin und ich mich gleich von der anderen Seite des Buffets bediente, anstatt mich ordnungsgemäß hinten anzustellen. Als ich an der Schlange vorbei lief, wusste ich nicht ob einige ihr Gesicht aus Schmerz oder Wut verzogen als sie mich ansahen.

Der Abend sollte aber noch nicht enden, da mit dem servierten Bier, ein Hasseröder pro Person, wir Durst auf mehr bekamen. Jedes zweite Gewerbe, das in Bad Liebenwerda angemeldet wird, ist eine Gastwirtschaft, was dazu führt, dass sich in der Stadt mindestens 20 Gaststätten befinden. Unser Ziel war Pöschels Bistro, 2 Straßen weiter. Nicht viel größer als ein Partykeller und wir waren dann nach 20 Uhr auch die einzigen Gäste.

Das Wochenende verlief sehr ruhig. Vormittags Sport und der Rest des Tages wurde mit Lesen, Kaffee, Eis und Kino im Vortragssaal verbracht. Morgen startet meine letzte vollständige Woche, die sogar richtig übersichtlich aussieht.


Halbzeit…

10. Februar 2009

Tag 10 – 15, Donnerstag – Dienstag

Ächz…, inzwischen freue ich mich auf jede Pause zwischen den Behandlungen. Massagen und Einzelkrankengymnastik sind der angenehme Teil der Behandlungen, was aber nur 40% der Behandlungen ausmacht. Wobei…, wenn ich mir es jetzt so überlege ist die Einzelkrankengymnastik der Anfang allen Übels. Aufgrund der leichten Krümmung, sind die Muskeln im Schulterbereich ständig gedehnt, so dass sie so verhärtet sind, dass man sie richtig schnipsen hört, wenn die Therapeutin die Schmerzpunkte sucht. Die Brustmuskulatur hat dagegen immer weniger zu tun bekommen und ist dementsprechend verkürzt. Sie schmerzt dann auch nur im Moment der Dehnung. Im Schulterbereich dagegen fährt die Therapeutin mit Hand erstmal unters Schulterblatt und schaut, in welche Richtung wieviel Spiel vorhanden ist. Das ist auf der rechten Seite halbwegs anständig, links dagegen kommt sie nicht unters Schulterblatt, weil alles verspannt ist. Wenn sie dann loslegt und rund um die Schulter die Sehnenansätze bearbeitet, reicht der Schmerz bis zum linken Auge. Indianer kennen aber keinen Schmerz, die drehen sich herum und fangen an zu weinen. Jedenfalls könnte ich das manchmal. Dass die Muskeln sich danach erholen wollen, macht sich dann spätestens beim Sequenztraining, Bewegungsbad und Gruppengymnastik bemerkbar, wovon ich Donnerstag, Freitag und Samstag Vormittag reichlich hatte.

Am Wochenende hatte ich wieder Besuch von meiner Karin, mit der ich Samstag ausgiebig den Esel und die Rehe füttern ging. Sonntag haben wir dann das Bett gehütet, da sich Karins Erkältung ganz schön verschlimmert hatte.

Der Montag ging wie letzte Woche mit einem Moorbad los. Letzte Woche war ich etwas spät dran und es waren alle Plätze bereits belegt, so dass ich einen neuen Termin bekam. Ich war wieder reichlich spät da, nur mit dem Unterschied, das dieses Mal alles leer war und ich mich erwartungsvoll draußen auf die Stühle pflanzte und wartete. Geschlagene 10 Minuten, bis jemand aus dem Pausenzimmer kam und nach einer verantwortlichen Therapeutin rief. Ich war tatsächlich der Einzige, der ein Schlammbad genießen durfte, inklusive Foto-Session. Highlight des Tages war ein neuer Kurs: Rückenschwimmen. Ist ja für Bechtis sehr geeignet, da die Halswirbelsäule nicht überstreckt wird. Was Rückenschwimmen mäßig attraktiv macht, ist die Tatsache, dass man nicht sieht, wohin man schwimmt. Noch ungünstiger wird es, wenn das Becken kein regelmäßiges Rechteck ist und man beim “Bahnen” schwimmen ständig mit jemanden kollidiert. Verhindern ließ sich das nur, wenn man rechtzeitig den “Es kracht gleich”-Gesichtsausdruck der Therapeutin mitbekam, kurz bevor man zusammenstieß. Sie hatte zwar immer versucht uns zu warnen, wenn es kritisch wurde, aber Rückenschwimmen bringt es nun mal mit sich, dass nur das Gesicht aus dem Wasser schaut und nicht die Ohren. Das kann diese Woche noch lustig werden. Zum Abschluss des Tages ging ich noch eine Runde mit den Stöcken durch die Gegend und kam doch dabei sogar ins Schwitzen. Nach anschließendem Wechsel meines T-Shirts musste ich leider feststellen, dass dieses plötzlich einige braune Flecken aufwieß.  Trotz des Duschens nach dem Rückenschwimmen war immer noch genug Moor in meiner Haut zurückgeblieben, so dass der Schweiß einfach alles rausdrückte.

Zum Dienstag gibt es nicht viel zu sagen, außer dass am 17.02. noch nicht Schluss ist, sondern ein Nachspiel bis zum 24.02. erfolgt. Wie versprochen ist hier noch der Link zu einigen Nebelbildern.


Unter Spannung…

4. Februar 2009

Dienstag, Tag 8

Frühsport macht immer noch keinen Spaß. 7.30 Uhr in der Kälte zu stehen, macht allenfalls munter. Der Rest besteht immer noch aus ein paar Runden trapen und anschließend am Fleck Dehnungsübungen machen. Die meisten meiner Mitstreiter sind ebenfalls am Jammern, aber trotzdem zwingen sich alle jeden Tag dazu, außer Frank. Naja, Gruppenzwang. Nach dem Frühstück bekam ich mein erstes Stangerbad. Kurz gesagt, eine Wanne voller Wasser, in der sich an den Seiten Leiterplatten befinden und Strom anliegt. Um gleich Spekulationen vorzubeugen, handelt es sich nicht um Spannungen und Stromflüsse der Marke Fön im Wasser. Es liegen nur 11,5V Gleichspannung an und es fließen auch nur 400mA. Trotzdem kam beim Einstellen der Stromstärke der Hinweis, ich solle mich bemerkbar machen, sobald es irgendwo auf der Haut prickelt, ansonsten könnten Brandblasen entstehen. Das diese Warnung nicht zu unterschätzen ist, durfte am Vortag meine Tischnachbarin am eigenen Leib erfahren, da sie eine ganz leichte Verbrennung am Arm erlitt. Als ich fragte, wer sich sowas einfallen lässt, bekam ich erklärt, dass es durch Zufall in einer Gerberei entdeckt wurde. Der Gebereimeister mit dem Namen (Achtung Überraschung)  Stanger legte an seine Gerbergrube Strom an während Leute darin rumstampften. Der Strom sollte den Gerbeprozess positiv beeinflussen.  Einer von ihnen, der an Gicht oder Rheuma litt, verspürte am Abend in den sonst schmerzenden Fußgelenke eine Besserung, sprich weniger Schmerzen. Nach weiteren erfolgreichen Experimenten mit Rheumakranken, bekam das Ganze dann seinen Namen, das Stangerbad. Als Effekt soll sich eine erhöhte Haut- und Muskeldurchblutung einstellen. Bis auf das Prickeln hab ich nicht viel davon gemerkt. Schlechter ging es mir davon aber nicht. Was ich mich allerdings fragte, ob sich diese Wasserverschwendung überhaupt lohnt. Die Wanne ist gut 2m lang, 70cm breit und 50cm hoch, also Platze ohne Ende. Das macht gut 700 Liter warmes Wasser pro Anwendung und die dauert nur 10 – 15min.

Als nächstes musste ich wieder zur Spirometrie, der Lungenvolumentest. Während der Eingangsvisite meinte die Ärztin, dass die Lunge nicht prall ist, konnte mir aber keine absoluten Zahlen sagen, beziehungsweise vergaß ich danach zu fragen. Das wollte ich dann heute nachholen. Nachdem ich meinen Test durchs Papprohr absolviert hatte, purzelten auch schon die Zahlen. Von der Schwester kam nur: “Oh, hier muss noch was getan werden”. In Zahlen ausgedrückt: 3,8l Lungenvolumen bei statistisch gesehenen 5,6l (68%) die ich eigentlich für meine Größe und mein Gewicht haben sollte. Ursache dafür sind einerseits die mangelnde Kondition, an der sich definitiv arbeiten lässt und andererseits die mittlerweile abgeklungenen Entzündungen der Rippengelenke, die tiefes Luftholen, Niesen und Husten mit reichlich Schmerzen untermalen, was dazu führt, dass man immer flach atmet und meistens durch das Zwerchfell in den Bauch reinatmet.

Nach dem Mittag gab es wieder Wissen über Morbus B. vermittelt, diesmal über die Behandlung mit Medikamenten. Natürlich wurde auch verstärkt auf die Nebenwirkungen eingangen. Die meisten Rheumatabletten, wie Ibuprofen, verursachen früher oder später Magenbeschwerden. Diese Tabletten wurden weiterentwickelt, so dass sie nicht mehr die Magenwände angreifen. Ein Großteil dieser Tabletten wurden aber schon wieder vom Markt genommen, da sie ernste Heiz-/Kreislaufprobleme und Bluthochdruck verursachen. Zu dieser Art gehört auch Arcoxia, die ich bis Ende letztes Jahres jeden Tag einnahm. Dann gibt es noch die Basismedikamente, die in den meisten Fällen bis zu 2 Monate brauchen, bis sie richtig wirken, im Gegensatz zu den Rheumatabletten die gleich und nur für ein paar Stunden wirken. Zu den Basismedikamenten gehören auch die sogenannten TNF-α-Blocker, die das Immunsystem runterfahren und somit die Entzündung abklingen können. Problem ist nur, dass man gegen jede Art von Infektion extrem anfällig wird und natürlich die Kosten. Da die Rheumatabletten meine Entzündungswerte nicht runterfahren können, bin ich Anfang Dezember auf die α-Blocker umgestiegen und siehe da, es wirkt.

Beim anschließenden Nordic Walking war eine große Runde fällig, die uns entlang der Elster führte. Wenn der Weg nicht so schlammig gewesen wäre, hätte es vielleicht mehr Spaß gemacht. Danach noch Sequenztraining mit integriertem Feierabend. Da man beim Nordic Spazieren unweigerlich ins Gespräch kommt, unterhielt ich mich mit Jörg, der seit 20 Jahren Morbus B.  an der Backe hat, täglich Pillen nascht, aber von der Statur her immer noch kerzengerade aussieht. Jedenfalls ist ihm nach dem Feierabend immer langweilig und er sucht noch jemanden zum Schach spielen. Aufgrund meiner Kenntnis, wie man die Figuren übers Spielbrett bewegt, hatte ich mich automatisch dafür qualifiziert. Es macht schon Spaß gegen jemanden Schach zu spielen, der als Kind in einem Schachklub war und auch Tunierspiele bestritten hat. Man kann sich zumindest viel zeigen lassen und brauch sich keine Platte machen, wenn man verliert. Ein Skatabend in der Cafeteria sollte dann den Abschluss des Tages bilden.

Mittwoch, Tag 9

Heute war nicht wirklich viel zu tun. Gerade mal 4 Behandlung, was viel Freizeit schafft. Ein Blick aus dem Fenster brachte nicht viel Weitsicht, was wohl am dem schönen dicken Nebel lag, der den ganzen Tag über der Stadt lag und eine durchaus schöne Atmosphäre für Fotos bieten kann. Zwischen meiner Massage und der Gruppengymnastik hatte ich 2 Stunden Zeit, die ich dann auch mit Stativ und Kamera bewaffnet auf dem Klinikgelände verbrachte und ein paar Bilder schoss. Ein paar Ergebnisse wird es mit dem nächsten Eintrag geben. Zu meiner Überraschung war heute die offziell letzte Walking-Runde angesetzt. Diesmal im XL-Format mit Besuch des Tiergeheges, wo sich Esel und Ziege ab und zu streicheln liesen, wenn sie denn mal nicht, von irgendwelchen Stöcken verschreckt, wegrannten. Zum Abschluss des Tages durfte ich erfahren, wie schnell man beim Schach verlieren kann, wenn Jörg mal richtig Schach spielt. Es war sehr lehrreich.


Die Welt des Schmerzes…

2. Februar 2009

Tag 4, Freitag, Vorbereitung aufs Wochende

Der Tag beginnt mal ausnahmsweise nicht mit Frühsport, sondern mal wieder mit Schlamm, allerdings nicht in der Wanne. Der Schlamm wurde dieses Mal fein säuberlich in Kuhfladengröße und -optik auf Frischhaltefolie gekleckert, damit mein ganzer Rücken was davon hat. Dort durfte ich mich dann drauflegen und als Mumie eingepackt 15 min entspannen. In der Zwischenzeit hatte sich das Zeug, wer ahnt es nicht, schön in den Körper einmassiert. Wieder ausgewickelt, durfte ich unter die Dusche springen, mit dem Hinweis mich mit dem Rücken in Richtung der grünen Wände zu drehen. Die anderen 2 Wände der Duschkabine waren, wie so ziemlich jede andere Duschkabine, aus normalem Glas. Dass ich diesen Hinweis hätte ernst nehmen sollen, zeigte sich, als ich die Dusche auf den Rücken gezeigt aufdrehte und das Wasser mit Kärcherdruck rausschoss. Plötzlich hörte ich es nur noch klatschen und das Glas war mal durchsichtig. Um die Meckerei zu vermeiden, kümmerte ich mich erstmal um die Duschkabine und anschließend um mich selbst, wobei ich feststellen musste, dass man bei der Entfernung von Moor nach der Top-Down-Methodik arbeiten sollte. Verfehlt man oben auch nur ein paar Quadratzentimeter, rächt sich das spätestens dann, wenn die Schwester sagt, dass die linke Schulter noch schön dreckig aussieht. Das Zeug spült es dann wieder an Stellen des Körpers, wo es vor dem Duschen noch nicht war. Das ewige Duschen wurde natürlich von meiner Entspannungsphase abgezogen, die ich dann auch dringend brauchte.

Danach durfte ich zu meiner ersten Massage. Wer sagt, dass Massagen entspannen, der irrt sich. Die Therapheutin hatte sich vorzugsweise Schmerzpunkte in meinen Schultern vorgenommen, die nur unter Schmerz auch wieder verschwinden. Die Gruppengymnastik war reine Bechterew-Gymnastik. Die meisten meiner Mitstreiter sind mit einer guten Portion schwarzen Humors gesegnet, was aufgrund der körperlichen Verfassung vieler Bechtis wahrscheinlich angebracht ist. Da muss ich sagen, dass es mir da noch richtig gut geht und die Körperkrümmung und -versteifung nicht annähernd so schlimm ist, wie bei den meisten. Was sich manche an Schaumstoffkeilen unter den Rücken gepflanzt haben, um halbwegs auf dem Rücken liegen zu können, war erschreckend. Das  zeigte mir mal wieder, das viel Dehnung und Bewegung extrem wichtig sind.

Nach dem Mittag standen noch Sequenztraining und Nordic Walking an. Meine Meinung zu Nordic Walking muss ich doch ein wenig revidieren. Wenn man es richtig macht, ist es ganz schön anstrengend und geht ordentlich auf die Oberarme und Schultern. Dass es so aussieht als ob die Stöcke im Dreck schleifen, hat durchaus seinen Grund, da die Arme immer durchgestreckt sein müssen und die Bewegungsamplitude der Arme nur soweit sein sollte, dass das Ende des Stockes bis maximal zu den Schuhen gelangt. Deswegen sind die Stockenden fast immer hinter dem Körper.

Da das Wochendende anstand und ich Besuch von meiner kleenenKarin bekam, wurde Walken auf das Tagesprogramm gesetzt.

Tag 5/6, Wochende

Bis zur Ankunft Karins vertrieb ich mir den Morgen mit Frühsport im Schnee und einem Bewegungsbad. Nach Inspektion des Zimmer und anschließendem Mittagssnack gingen wir Walken. Karin besitzt schon seit 2 Jahren Walking-Stöcke. Die haben auch schon mindestens 20.000 km runter, im Kofferraum ihres Autos, denn den hatten die Stöcke, nach ihrem Einkauf bei Lidl für 10 Euro, nicht mehr verlassen. Gleich neben der Klinik fließt die Schwarze Elster und ist mit den Rad-/Gehwegen links und rechts des Flusses ideal zum Laufen.

Am unteren Ende der Walking-Stöcke befinden sich kleine Gummischuhe, damit man beim Laufen auf Asphalt o.ä. genügend Grip zum “Abstoßen” hat. Auf Schotterpisten, wie man sie an der Elster vorfindet, sollte man diese Teile abmachen, so dass kleine Spitzen zum Vorschein kommen. Bei Karins Discount-Stöcken äußerte sich das Abmachen mit noch lauterem Klappern, so dass wir beschlossen die Gummischuhe wieder drauf zu machen. Das sollte einem der Stöcke zum Verhängnis werden, da nach einem etwas kraftvolleren Nachdrücken die Spitze des rechtes Stockes abbrach. Nach 20.000,6 km Laufleistung ganz schön beachtlich und paar Lacher wert. Zum Glück waren die Stöcke höhenverstellbar, so dass der Höhenverlust ausgeglichen werden konnte. 5 km später waren wir wieder zurück und etwas groggi. Die Stöcke verschwanden dann gleich wieder im Kofferraum von Karins Toyota und werden Tageslicht hoffentlich nur noch auf dem Weg zum Schrottplatz sehen. Der Tag wurde mit einem Besuch beim Griechen beendet.

Sonntag gestaltete sich mit Faulenzen und Spaziergängen in Bad Liebenwerda äußerst ruhig. In der Nacht hatte es noch mal kräftig geschneit, so dass der Kurpark einen herrlichen Anblick bot. Kurz vor dem Abendessen trat Karin die Heimreise an und mein Ziele für den Rest des Tages waren noch ein paar Meter zu schwimmen und Harry Potter 4 fertig zu lesen. Zum Schwimmen nahm ich Karins Schwimmbrille mit, die ich aufgrund von längeren Rumliegens auf Tauglichkeit testen wollte. Beim Blick ins ohnehin zu kleine Schwimmbecken wunderte ich mich nicht mehr, warum die Cafeteria leer war. Größtenteils Frauen über 50, in mehreren Rudeln im Becken verteilt und nur am schwatzen. Wenn es ihnen dann mal einfiel zu schwimmen, dann auch nur wieder im Rudel und dann nur in eine andere Ecke des Beckens. In diesem Moment wünschte ich mir ich hätte den Test der Brille an einem anderen Tag durchgeführt. Das von Chlor verursachte Brennen in den Augen ist weitaus angenehmer als der Anblick, der sich mir mit Brille unter Wasser bot. Entsprechend bedient verließ ich nach 15 Minuten das Becken und freute mich nur noch auf mein Bett und das Buch, dass ich noch zu Ende las.

Tag 7, Montag

Irgendwie war ich ganz schön gerädert, als der Wecker klingelte. Nach dem Frühstück sollte es mit einem Moorbad losgehen. Dem entgeisterten Blick der Schwester zu urteilen, schien der Moment gerade ungünstig und als sie fragte, was ich denn wolle und ich “Ein Moorbad” zum Besten gab, wurde ich gebeten an der Zentrale mir einen neuen Termin geben zu lassen, da offensichtlich alle Wannen belegt waren. Die nun gewonnene Freizeit verbrachte ich mit Bildung und danach ging es zur ersten Einzel-Krankengymnastik. Nach Begutachtung meiner Schulter- und Nackenpartie meinte die Therapeutin sie müsste erstmal Muskel weichklopfen, da sonst die besten Haltungskorrekturübungen nix nützen. Teilweise fühlte es sich so an, als ob sie mir die Schulterblätter rausreisen wollte. Die Gruppengymnastik hinterher war nicht weniger anstrengend, da die gleiche Therapeutin sich jetzt ans Dehnen der Schulter- und Nackenmuskeln ranmachte. Ich war ganz schön fertig. Jetzt allerdings stand der Ersatztermin für mein Moorbad an und irgendwie war heute alles anders. Bei meinen ersten Moorbad letzten Donnerstag habe ich nicht wirklich was gemerkt. Heute allerdings war das Zeug eine ganze Ecke wärmer, so dass der Kreislauf ganz schön ins Schlingern kam. Schön ist es auch, wenn der Kopf anfängt zu jucken, sobald sich die ersten Schweißperlen den Weg in Richtung Hals bahnen. Nach 15 min hatte ich dann zu tun aus der Wanne zu kommen und war richtig fertig. Mir war nach Schlafen zumute. Nach dem Mittag begann aber die Vortragsreihe zum Thema Morbus Bechterew, so dass Schlummern ausfiel. Erzählt hat der Doc aber auch nur das, was ich schon von meiner Rheumatologin und diversen Buchlektüren wusste. Der krönende Abschluss des Tages war eine Runde Stöcke-klappern entlang der Elster.

Für alle, die bis hier durchgehalten haben, gibt es es den versprochen Link zu den Bildern der Lichtmalerei. Da UMTS im Upload hier nicht wirklich flink ist, sind es nur 4 Bilder geworden. Der Rest wird nachgeliefert, wenn ich wieder zu Hause bin.


Es wird ernst…

29. Januar 2009

Tag 2 fühlte sich ungefähr so an wie Tag 1. Es gab nicht wirklich was zu tun, außer dass jemand von mir kurz nach 7 Uhr mein Blut haben wollte. Das wollten sie von jedem Neuankömmling und das waren nicht wenige, die allesamt vor mir dran waren. Jetzt war erstmal frühstücken an der Reihe, was an sich sehr üppig ist, wenn man denn möchte. 8.45 Uhr wurden wir jetzt offiziell begrüßt und die Hausdame zeigte uns das Hotel äähh die Klinik, zumindest die einzelnen Stationen, wo sich der Großteil der Behandlungen abspielen wird. Zeitlich war das Ganze in 30 min erledigt, so dass bis 11.30 Uhr wieder eine Menge Zeit verstrich, in der ich mit dem Fotoapparat das Klinik-Gelände und das Stadtzentrum erkundete. Die Einführung in die Physiotherapie war wieder nur eine Fortsetzung des Klinikrundgangs, so dass schnell wieder Freizeit war, allerdings mit der Ansage des Physiotherapeuten, dass heute wenigstens noch eine Behandlung ist. Was das genau war, bekam ich bei der Visite erzählt, bei der ich auch meinen kompletten Handlungsplan bekam, auf dem unter anderem stand, dass ich noch zum Bewegungsbad antreten darf. Bewegungsbad für Bechtis darf man sich so ungefähr vorstellen, wie Phil Collins zu ‘I can’t dance’. Wasser von A nach B zu schaufeln kann durchaus anstrengend sein. Den Rest des Tages verbrachte ich mit ein wenig Bildung, Computer-Hotline und Jack Bauer.

Donnerstag begann mit etwas, was nicht gerne tue, aber auf meinem Plan steht. Frühsport im Innenhof. Mit mir warteten noch ca. 15 andere Leute darauf das es losgeht, aber es kam niemand. Einer der Patienten wollte es offensichtlich hinter sich bringen und ergriff die Initiative zum Vorturnen, was sich als äußerst unterhaltsam rausstellte, so dass einige genervte Patienten ihre Fenster schlossen. Direkt nach dem Frühstück ging es dann gleich mit Physiotherapie weiter, aber auch nicht gleich hands-on, sondern erstmal Bestandsaufnahme, was alles nicht mehr geht und das ist Einiges. Direkt im Anschluss durfte ich zum Moorbad, was nichts anderes ist, als eine Wanne voller warmen Schlammes, in der man eine viertel Stunde liegen darf, so dass sich das Zeug ja ordentlich in jede Ritze und Pore des Körpers verteilt. Eigentlich soll man die 15 Minuten entspannen, aber das ging irgendwie gar nicht, zu mal ich damit beschäftigt war zu schauen, wie das Zeug an Armen und Beinen aussieht, wenn man sie aus der Brühe rausnimmt. Es sieht irgendwie cool aus, aber es stellt sich einem die Frage, wie man das Zeug wieder runterbekommt. Dabei hilft dann die Schwester, die einem mit der Dusche erstmal abkärchert und das Gröbste beseitigt. Die Feinheiten darf man dann zum Glück selbst erledigen, was sich nicht minder schwierig gestaltete, da das Zeug wirklich überall ist und nicht runter wollte. Als ich dachte, ich hätte alles runter und zum Handtuch griff, wurde ich abermals eines Besseren belehrt, denn das Handtuch war anschließend leicht braun. Nach einem Rüffel der Schwester wurde ich noch in Decken eingewickelt und durfte als Mumie noch mal 15 min alles nachwirken lassen. In der Zwischenzeit war es 9.30 Uhr und das Bewegungsbad ging aber erst 10.30 Uhr los.

Das Bewegungsbad wurde heute von einer anderen Therapeutin geleitet, die uns mit überdimensionalen Wattestäbchen Wasser schaufeln ließ. Da das Becken nur 10m lang und 6m breit war und 15 Mann darin Platz finden mussten, kam man sich ständig mit diesen Teilen in die Quere. Zum Glück war danach bis zum Mittag Ruhe und ich konnte mich ein wenig der Leserei widmen. Nach dem Mittag war dann die Einweisung in das Sequenztraining, zu Deutsch Gerätetraining im Kämmerlein. Das Zimmer ist wirklich nicht groß. Maximal 4×4m und 8 Geräte darin verteilt. Die Therapeutin meinte, es könnte mit 6 Leuten dann durchaus eng darin werden. Zum Glück habe ich nur 3 Geräte für Arme, Bauch und Rücken. 14.30 Uhr folgte meine letzte Behandlung des Tages und die wird bei Achilles’ Verse als terroristische Aktiviät bezeichnet. Nordic Walking. Obwohl ich nicht jogge oder sonstigen sportlichen Laufaktivitäten nachgehe, könnte ich mich jedes Mal zerbasteln, wenn ich alte Leute im Großen  Garten sehe, die mehr damit beschäftigt sind, den letzten Promiklatsch auszuwerten und ihre Stöcke im Dreck schleifen lassen, anstatt sich zu bewegen. Aber ich werde mich nicht davor drücken können. Heute gab es erstmal nur die Stöcke, die ich bis zum Ende der Kur behalten darf und es wurde der Bewegungsablauf erklärt. Sieht im Grunde nicht anders aus als sich auf Langlaufski zu bewegen. Aber die Praxis werde ich morgen am eigenen Leib erfahren.

Den Rest des Tages widmete ich dem 4.Band von Harry Potter, der die Zeit ganz schön schnell vergehen lässt. Nach dem Abendessen wollte ich noch ein paar Nachtfotos von der Innenstadt schießen, was darin endete, dass ich mit meiner LED-Funzel und Langzeitaufnahmen auf dem Markt vor dem abgeschmückten Weihnachtsbaum rumexperimentierte. Ich will nicht wissen, wie die Lichtmalerei für die Polizeit aussah, die dann verdächtig oft ihre Kreise um den Markt drehte. Neben der Reha-Klinik ist ja gleich die Sucht-Klinik, in die sie mich vielleicht gebracht hätten. Brauchbare Ergebnisse der Malerei werden mit dem nächsten Eintrag veröffentlicht.

Bis zum nächsten Mal,

Thomas


Tag 1

27. Januar 2009

Und es geht los…,

zumindest erstmal 9.30 Uhr in Dresden. An für sich ist die Strecke nur 82km lang, die Hälfte davon sind allerdings Brandenburgs schöne Landstraßen. Und die ziehen sich, vor allem wenn Lieferverkehr unterwegs ist. Ankunft war dann Punkt 11 Uhr vor der Eingangstür. Papierkram ausgefüllt und ich bekam meinen Zimmerschlüssel. Ein kleines Zimmer in der 2.Etage mit Blick in den Park. Soweit so gut. Jetzt wurde ich erstmal gewogen (78kg), gemessen (182 cm) und für mehr oder weniger gut befunden. Dann bekam ich noch meinen Plan für heute und morgen in die Hand, der heute nur noch aus EKG/Spirometrie (Lungenvolumentest) und der Aufnahmeuntersuchung bestand. Aber erst nach dem Mittag. Mittag gibt es von 12.30 – 13 Uhr. Den Sitzplatz bekommt man fest zugewiesen. Ich teile mir den Tisch mit 6 Damen (40+) und einem Mann um die 40, der zeitgleich mit mir ankam und nicht wirklich Lust auf die Kur hat. Zu Essen gab es Kalbsfilet, was nach Meinung der anderen am Tisch schon durchaus ein Highlight sein soll. Ich lass mich überraschen.

Die Ergebnisse des Lungenvolumentests werde ich erst morgen bekommen. Die Aufnahmeuntersuchung führte eine Ärztin mit einem leicht osteuropäischen Akzent durch. Sie hat sich erstmal alle mitgebrachten Befunden kommentarlos angeschaut und meinen Fragebogen ausgewertet. Dann kam ohne Vorwarnung “AUSZIEHEN”, in leicht gebrochenem Akzent. Gesagt, getan und sie fing an mit dem Kuli auf der Wirbelsäule rumzumalen und mich zu vermessen. “ANZIEHEN” läutete das Ende der Untersuchung ein. Antworten bekam ich natürlich keine. Die bekomme ich morgen vom Chefarzt.

Es ist 15.30 Uhr und ich habe Feierabend. Da 17.30 Uhr schon Abendessen ist und ich mit Sicherheit danach Hunger bekommen werde, stattete ich noch dem nächsten Supermarkt einen Besuch ab. Vorher noch das Auto vor der Eingangstür wegfahren und einen halben Kilometer entfernt auf der eingezäunten und von 2 Hunden bewachten Wiese eines Bauern abstellen, den mir die Rezeption empfohlen hat. Parkplätze in und um die Klinik herum sind Mangelware, da sich die Klinik mitten in der Stadt befindet.

Das Abendessen war entgegen der Ansagen meiner Mitstreiter sehr reichhaltig. Alle denkbaren Brot-, Wurstsorten und Salate, so dass man satt wird. Nur die Uhrzeit ist eben bescheiden.

Soviel zu heute.

Thomas

Mein Schreibtisch

Mein Schreibtisch...

Mein Bett

...mein viel zu kleines Bett...

Blick vom Balkon

...und mein Blick vom Balkon


Ping Welt!

19. Januar 2009

Hallo,

willkommen zu meinem ersten richtigen Blog. Mein erster Blog ist es nun nicht wirklich. Zu meiner Praktikumszeit bei IBM 2003 habe ich ein “Tagebuch” geschrieben und ins Netz gestellt. Allerdings gab es vor 5 Jahren den Begriff “Blog” in meinem Wortschatz noch nicht. Ich wüsste auch nicht, dass es damals schon die diversen Blog-Seiten gab.

Warum eigentlich ein Blog? Mmh, nächste Woche muss ich für mindestens 3 Wochen zur Kur nach Bad Liebenwerda, um mich etwas gerade rücken zu lassen, da ich im September mit Morbus Bechterew diagnostiziert wurde. Diese Krankheit ist chronisch, sozusagen unheilbar (zum aktuellen Stand), aber mit Medikamenten und der nötigen Dosis Bewegung ziemlich gut in den Griff zu bekommen. Was mir an Bewegung gut tut, soll unter anderem bei der Kur unter Aufsicht herausgefunden werden. Was da alles passiert, werde ich hier im Blog dokumentieren. Da die Krankheit bei jedem Betroffenen anders verläuft, werde ich zum Verlauf der Krankheit einfach mal aus meiner Sicht alles niederschreiben. Wie alles angefangen hat, wird demnächst folgen.

Jetzt folgt erstmal die Nachtruhe im vernebelten München.
Thomas