Tag 4, Freitag, Vorbereitung aufs Wochende
Der Tag beginnt mal ausnahmsweise nicht mit Frühsport, sondern mal wieder mit Schlamm, allerdings nicht in der Wanne. Der Schlamm wurde dieses Mal fein säuberlich in Kuhfladengröße und -optik auf Frischhaltefolie gekleckert, damit mein ganzer Rücken was davon hat. Dort durfte ich mich dann drauflegen und als Mumie eingepackt 15 min entspannen. In der Zwischenzeit hatte sich das Zeug, wer ahnt es nicht, schön in den Körper einmassiert. Wieder ausgewickelt, durfte ich unter die Dusche springen, mit dem Hinweis mich mit dem Rücken in Richtung der grünen Wände zu drehen. Die anderen 2 Wände der Duschkabine waren, wie so ziemlich jede andere Duschkabine, aus normalem Glas. Dass ich diesen Hinweis hätte ernst nehmen sollen, zeigte sich, als ich die Dusche auf den Rücken gezeigt aufdrehte und das Wasser mit Kärcherdruck rausschoss. Plötzlich hörte ich es nur noch klatschen und das Glas war mal durchsichtig. Um die Meckerei zu vermeiden, kümmerte ich mich erstmal um die Duschkabine und anschließend um mich selbst, wobei ich feststellen musste, dass man bei der Entfernung von Moor nach der Top-Down-Methodik arbeiten sollte. Verfehlt man oben auch nur ein paar Quadratzentimeter, rächt sich das spätestens dann, wenn die Schwester sagt, dass die linke Schulter noch schön dreckig aussieht. Das Zeug spült es dann wieder an Stellen des Körpers, wo es vor dem Duschen noch nicht war. Das ewige Duschen wurde natürlich von meiner Entspannungsphase abgezogen, die ich dann auch dringend brauchte.
Danach durfte ich zu meiner ersten Massage. Wer sagt, dass Massagen entspannen, der irrt sich. Die Therapheutin hatte sich vorzugsweise Schmerzpunkte in meinen Schultern vorgenommen, die nur unter Schmerz auch wieder verschwinden. Die Gruppengymnastik war reine Bechterew-Gymnastik. Die meisten meiner Mitstreiter sind mit einer guten Portion schwarzen Humors gesegnet, was aufgrund der körperlichen Verfassung vieler Bechtis wahrscheinlich angebracht ist. Da muss ich sagen, dass es mir da noch richtig gut geht und die Körperkrümmung und -versteifung nicht annähernd so schlimm ist, wie bei den meisten. Was sich manche an Schaumstoffkeilen unter den Rücken gepflanzt haben, um halbwegs auf dem Rücken liegen zu können, war erschreckend. Das zeigte mir mal wieder, das viel Dehnung und Bewegung extrem wichtig sind.
Nach dem Mittag standen noch Sequenztraining und Nordic Walking an. Meine Meinung zu Nordic Walking muss ich doch ein wenig revidieren. Wenn man es richtig macht, ist es ganz schön anstrengend und geht ordentlich auf die Oberarme und Schultern. Dass es so aussieht als ob die Stöcke im Dreck schleifen, hat durchaus seinen Grund, da die Arme immer durchgestreckt sein müssen und die Bewegungsamplitude der Arme nur soweit sein sollte, dass das Ende des Stockes bis maximal zu den Schuhen gelangt. Deswegen sind die Stockenden fast immer hinter dem Körper.
Da das Wochendende anstand und ich Besuch von meiner kleenenKarin bekam, wurde Walken auf das Tagesprogramm gesetzt.
Tag 5/6, Wochende
Bis zur Ankunft Karins vertrieb ich mir den Morgen mit Frühsport im Schnee und einem Bewegungsbad. Nach Inspektion des Zimmer und anschließendem Mittagssnack gingen wir Walken. Karin besitzt schon seit 2 Jahren Walking-Stöcke. Die haben auch schon mindestens 20.000 km runter, im Kofferraum ihres Autos, denn den hatten die Stöcke, nach ihrem Einkauf bei Lidl für 10 Euro, nicht mehr verlassen. Gleich neben der Klinik fließt die Schwarze Elster und ist mit den Rad-/Gehwegen links und rechts des Flusses ideal zum Laufen.
Am unteren Ende der Walking-Stöcke befinden sich kleine Gummischuhe, damit man beim Laufen auf Asphalt o.ä. genügend Grip zum “Abstoßen” hat. Auf Schotterpisten, wie man sie an der Elster vorfindet, sollte man diese Teile abmachen, so dass kleine Spitzen zum Vorschein kommen. Bei Karins Discount-Stöcken äußerte sich das Abmachen mit noch lauterem Klappern, so dass wir beschlossen die Gummischuhe wieder drauf zu machen. Das sollte einem der Stöcke zum Verhängnis werden, da nach einem etwas kraftvolleren Nachdrücken die Spitze des rechtes Stockes abbrach. Nach 20.000,6 km Laufleistung ganz schön beachtlich und paar Lacher wert. Zum Glück waren die Stöcke höhenverstellbar, so dass der Höhenverlust ausgeglichen werden konnte. 5 km später waren wir wieder zurück und etwas groggi. Die Stöcke verschwanden dann gleich wieder im Kofferraum von Karins Toyota und werden Tageslicht hoffentlich nur noch auf dem Weg zum Schrottplatz sehen. Der Tag wurde mit einem Besuch beim Griechen beendet.
Sonntag gestaltete sich mit Faulenzen und Spaziergängen in Bad Liebenwerda äußerst ruhig. In der Nacht hatte es noch mal kräftig geschneit, so dass der Kurpark einen herrlichen Anblick bot. Kurz vor dem Abendessen trat Karin die Heimreise an und mein Ziele für den Rest des Tages waren noch ein paar Meter zu schwimmen und Harry Potter 4 fertig zu lesen. Zum Schwimmen nahm ich Karins Schwimmbrille mit, die ich aufgrund von längeren Rumliegens auf Tauglichkeit testen wollte. Beim Blick ins ohnehin zu kleine Schwimmbecken wunderte ich mich nicht mehr, warum die Cafeteria leer war. Größtenteils Frauen über 50, in mehreren Rudeln im Becken verteilt und nur am schwatzen. Wenn es ihnen dann mal einfiel zu schwimmen, dann auch nur wieder im Rudel und dann nur in eine andere Ecke des Beckens. In diesem Moment wünschte ich mir ich hätte den Test der Brille an einem anderen Tag durchgeführt. Das von Chlor verursachte Brennen in den Augen ist weitaus angenehmer als der Anblick, der sich mir mit Brille unter Wasser bot. Entsprechend bedient verließ ich nach 15 Minuten das Becken und freute mich nur noch auf mein Bett und das Buch, dass ich noch zu Ende las.
Tag 7, Montag
Irgendwie war ich ganz schön gerädert, als der Wecker klingelte. Nach dem Frühstück sollte es mit einem Moorbad losgehen. Dem entgeisterten Blick der Schwester zu urteilen, schien der Moment gerade ungünstig und als sie fragte, was ich denn wolle und ich “Ein Moorbad” zum Besten gab, wurde ich gebeten an der Zentrale mir einen neuen Termin geben zu lassen, da offensichtlich alle Wannen belegt waren. Die nun gewonnene Freizeit verbrachte ich mit Bildung und danach ging es zur ersten Einzel-Krankengymnastik. Nach Begutachtung meiner Schulter- und Nackenpartie meinte die Therapeutin sie müsste erstmal Muskel weichklopfen, da sonst die besten Haltungskorrekturübungen nix nützen. Teilweise fühlte es sich so an, als ob sie mir die Schulterblätter rausreisen wollte. Die Gruppengymnastik hinterher war nicht weniger anstrengend, da die gleiche Therapeutin sich jetzt ans Dehnen der Schulter- und Nackenmuskeln ranmachte. Ich war ganz schön fertig. Jetzt allerdings stand der Ersatztermin für mein Moorbad an und irgendwie war heute alles anders. Bei meinen ersten Moorbad letzten Donnerstag habe ich nicht wirklich was gemerkt. Heute allerdings war das Zeug eine ganze Ecke wärmer, so dass der Kreislauf ganz schön ins Schlingern kam. Schön ist es auch, wenn der Kopf anfängt zu jucken, sobald sich die ersten Schweißperlen den Weg in Richtung Hals bahnen. Nach 15 min hatte ich dann zu tun aus der Wanne zu kommen und war richtig fertig. Mir war nach Schlafen zumute. Nach dem Mittag begann aber die Vortragsreihe zum Thema Morbus Bechterew, so dass Schlummern ausfiel. Erzählt hat der Doc aber auch nur das, was ich schon von meiner Rheumatologin und diversen Buchlektüren wusste. Der krönende Abschluss des Tages war eine Runde Stöcke-klappern entlang der Elster.
Für alle, die bis hier durchgehalten haben, gibt es es den versprochen Link zu den Bildern der Lichtmalerei. Da UMTS im Upload hier nicht wirklich flink ist, sind es nur 4 Bilder geworden. Der Rest wird nachgeliefert, wenn ich wieder zu Hause bin.